Ein Gastbeitrag von Vivien Rose.
Wie ich zu meinem Citroën XM gekommen bin? Dazu muss ich beginnen, wie ich überhaupt zu Citroën kam.

Als ich 18 Jahre alt war und frisch meinen Führerschein hatte, brauchte ich ein Auto, welches mich von A nach B bringt. Mithilfe eines Kollegen haben wir uns auf verschiedenen Gebrauchtwagenhändler umgesehen. Von schwarze bis silberne Fahrzeuge stand dort alles rum.

Ein Auto hat aus der Masse hervor gestochen. Es war ein Metallikblauer, ganz hinten in der Ecke. Der einzige blaue Wagen. Den wollte ich mir genauer ansehen. Es war ein Citroen ZX – für meine Verhältnisse sogar bezahlbar.

Also kaufte ich ihn! Damals war mir egal, welche Marke es ist, Hauptsache ich fuhr zuverlässig auf der Straße, ohne dass Gummibäume gepflanzt werden müssten. Da ich gelernte KFZ-Mechatronikerin für Nutzfahrzeuge bin, habe ich kleine Mängel selbst abgestellt. Es gab frisches Motorenöl, einen neuen Wellendichtring der Antriebswelle getriebeseitig und einen neuen Zahnriemen mit Wasserpumpe. Mein kleiner Citroën war bereit für den TÜV.

Innerhalb des ersten Monats gingen mehrere Lämpchen im Tacho kaputt. Div. Kontrolllämpchen gingen nicht mehr. Das hat mich sehr geärgert, weil bei mir alles nahezu perfekt sein muss. Ja, ich bin, was das Auto angeht, ein kleiner Perfektionist. Also schnappte ich mir mein Werkzeug und schraubte darauf los.

Ich hatte so etwas vorher noch nie gemacht, war in Sachen PKW eher unerfahren. Der Tacho war schnell freigelegt und hing nur noch an der Tachowelle. Oh, die Tachowelle – wenn ich daran denke, graut es mich! Es war schwierig die zu entfernen, ich wollte nichts kaputt machen. Irgendwann, nach vielen Kratzern am Arm und dezent genervtem Gemüt, hatte ich endlich dieses ‘blöde Ding’ ab. Setzte nun alle Lämpchen neu ein und wechselte auch gleich die, die funktionstüchtig waren. Ich wollte nicht nochmal den Tacho ausbauen. Alles wieder zusammen gesetzt und ich konnte wieder Fahren.

Dieses Glücksgefühl, welches ich danach empfand, werde ich nie vergessen. Es ist etwas anderes, ob man ein Fahrzeug auf Arbeit instand setzt und es geht alles wieder, oder ob man sein eigenes Auto wieder funktionstüchtig gemacht hat. Nach dieser Erfahrung wollte ich alles über mein Auto wissen. Erst nach dem Kauf meines Citroëns habe ich mich mit diesem Hersteller auseinander gesetzt. Habe festgestellt, dass noch viele weitere schöne Autos gebaut wurden. Eins hat es mir besonders angetan.

Der XM.

Warum? Seine Form ist einzigartig, hatte ich vorher nie gesehen. Diese lange Motorhaube, das geschmackvolle Fließheck, die vielen Scheiben und ganz besonders das Heck! All diese Dinge faszinierten mich. Klar, keine Frage, Citroën hat auch andere schöne Autos gebaut. Schon allein der SM spricht für sich, aber an so einen würde ich nicht heran kommen. Also schaute ich mich nach einem XM um.

Mein ZX fuhr klasse, war zuverlässig und 3 Jahre später waren nur Inspektionen (die ich selbst nach Herstellerangaben durchgeführt habe), kleine Mängel und Ölwechsel fällig. Aber ich suchte Herausforderung und wollte auf der Straße auffallen. Nicht mit getunten Protzkarren, sondern mit etwas, was Klasse hat. Ich sah mich im Internet um und entdeckte einige XM’s. Viele waren nicht mehr gut erhalten, wurden aber für viel Geld verkauft. Nach Tagen der Suche war ich kurz vorm Abbruch, ich dachte, ich würde nie einen XM finden, der bezahlbar und relativ gut in Schuss sei und mir auch noch von der Farbe gefallen könnte. Es gab weinrote, dunkelgrüne, dunkelblaue, schwarze, silberne, aber keiner hat mir zugesagt. Da, am Ende der Seite, blitzte etwas helles, etwas weißes hervor. Ich klickte drauf. Es war ein weißer XM. Der einzige weiße, den ich je fand.. Der sah gut aus, und die Farbe steht ihm. Ich rief an und wir vereinbarten einen Termin zur Probefahrt.

Der Haken an der Sache war, dass der weiße Riese circa 600km weit weg stand. Wenn ich ihn ansehe und kaufen würde, müsste ich ihn gleich mitnehmen, bevor er weg ist – zumal ich diese Strecke ungern ein zweites Mal gefahren wäre. Ich entschloss mich zu einem leichtsinnigen Schritt. Die Kopie-Papiere hatte mir der Noch-Besitzer schon per Mail zukommen lassen. Ich ging zur Zulassungsstelle und besorgte ein Kurzzeitkennzeichen. Natürlich wusste ich nicht, in welchem Zustand der XM ist. Ob er überhaupt fahren kann, ob er die Strecke zu mir nach Hause durchhält? Ob ich ihn denn überhaupt kaufe oder ob der Noch-Besitzer mir diesen Schatz auch verkauft…? All das wusste ich nicht, aber ich wollte DEN, und nur den XM haben. Also fuhr ich mit einem Freund dahin, haben uns ein paar mal verfahren und ich war sogar zeitweise am Verzweifeln, ob wir denn überhaupt an der richtigen Adresse waren. Doch dann bogen wir in eine Straße und da stand er! Das Weiß blitze zwischen den Bäumen hervor. Mein Herz raste. Viele Fragen schossen in mein Kopf. Hab ich alles richtig gemacht? Will ich das wirklich? Was passiert, wenn er nicht startet? Kann ich das Auto überhaupt fahren?

Ich war vorher noch nie ein anderes Auto gefahren als meinen gewohnten 1.4i ZX. Der Noch-Besitzer kam raus. Wir unterhielten uns. Ich sah mir das Auto an und habe mich verliebt! Ich saß auf dem mit Leder bezogenen Sitz und umfasste das Lenkrad. Ein Traum! Ich drehte den Zündschlüssel und er sprang an. Es war laut, ungewöhnlich laut. Ich dachte, das muss bei einem 3.0 Liter Motor so sein. Dann erhob sich das Fahrzeug und ich wusste nicht genau, was gerade passiert. Er hat Hydraulikfahrwerk, sagte der Noch-Besitzer. Wow, so fühlt sich das also an. Überrascht und vollgepumt mit Glücksgefühlen öffnete ich die Motorhaube. Natürlich suchte ich den Hebel dafür erstmal an einer falschen Stelle. Der Noch-Besitzer lachte und zeigte mir den Hebel. Ein Blick in den Motorraum genügte. Er war trocken und es fehlten keine Flüssigkeiten.

Ich wollte Fahren! Das erste Stück fuhr er, dann tauschten wir und ich stellte mir den Sitz ein. Wahnsinn! Elektrisch verstellbarer Sitz. Das kannte ich vorher nicht. Automatik, es war ungewöhnlich. Ich suchte erstmal das Kupplungspedal, es war Gewohnheit, aber da war keins. Fahrstufe ‘D’ wurde eingelegt und ich ging von der Bremse runter. Er rollte. Das Lenkverhalten war ungewöhnlich, so leicht und direkt. War das die DIRAVI, von der ich gelesen hatte? Ich hatte eingelenkt und das Lenkrad los gelassen. Wie von Geisterhand stellte es sich zurück in Geradeausstellung – das ist Komfort!

Diese Lenkung war nicht in allen XM verbaut, aber in diesem schon. WOW, ich saß in einem XM, der einfach alles hatte! Von Multifunktionslenkrad, Tempomat bis hin zur DIRAVI. Das Auto musste ich kaufen! Die Probefahrt verlief ruhig und entspannt, obwohl ich sehr sehr aufgeregt war. Der XM hat mich entspannt. Das Sitzen auf den ‘Sesseln’, das Berühren des Lenkrades und das Nichtspüren der Schlaglöcher. Es war fast wie im Traum.

Zurück auf dem Grundstück übergab mir der Noch-Besitzer die Papiere und beide Schlüssel. Ich unterschrieb den Kaufvertrag und hatte immer noch ein Auge auf den XM gerichtet. Endlich war es soweit. Wir verabschiedeten uns und ich stieg in MEIN neues Auto. Mit einem Lächeln startete ich den Motor und fuhr los. Die Fahrt nach Hause wollte ich den Tempomat ausprobieren. Es war Sagenhaft! Das Gefühl von Sicherheit umwarb mich. Leider war die Zeit nach Hause viel zu schnell vorüber. Ich wäre gern länger damit gefahren. Es ist alles gut gegangen und ich parkte meinen XM auf dem Parkplatz vor dem Haus und wollte gar nicht wieder aufstehen.

Die letzten Tage, die das Kurzzeitkennzeichen noch hergab, fuhr ich den XM waschen und polieren. Er hatte es verdient! So schmutzig wie er war, konnte ich nicht durch die Stadt fahren. Schon auf dem Weg zur Selbstwaschanlage zog ich viele Blicke auf mich. Ja, ich war die Einzige in der Stadt mit einem XM. Dazu noch in weiß, so ein Auto fällt auf.

Seit dem Tag, als ich ihn das erste Mal sah, bis heute, hat sich die Liebe verstärkt. Ich will es nicht mehr vermissen zu Schweben!! Eins weiß ich, dieses Fahrzeug werde ich NIE WIEDER hergeben.

Das Interessante ist auch, dass er laut der ORGA-Nummer 6653 am 26. Januar 1995 gebaut wurde. Mein Auto ist genau 6 Monate und 3 Tage älter als ich. ☺

Und hier ein paar Bilder von dem weißen XM:

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Vivien Rose

Seit 2013 bin ich gelernte Kfz-Mechatronikerin und leidenschaftliche Citroënfahrerin. Nach meinem ersten Auto, ein ZX, schlägt mein Herz nun für meinen XM V6.

Da bei dem XM auch immer mal Problemchen auftreten, zeige ich hier, wie ich diese erfolgreich löse.

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