Jeder XM-Fahrer kennt das leidige Problem mit der vergammelnden Stoßstangenhalterung vorne. Auch mein XM ist davon betroffen.

Daniel S. Olberg hat eine gute Lösung dafür gefunden. Ich finde diese sehr gut und auch für Leute praktikabel, die kein Schweißgerät besitzen, denn es wird mit Blindnieten gearbeitet.

Hier seine Anleitung, die Bilder dazu findet ihr in der Galerie unter seinem Text:

Mein eigentliches Vorhaben war – das sei hier verraten – die festgegangene Frontscheiben-Waschwasserpumpe zu reparieren

Dazu demontierte ich den linken Kotflügel (denn darunter sitzt der Waschwasserbehälter) – und damit nahm alles Weitere seinen Lauf …

 

Hier eine kurze Beschreibung, wie ich die verrosteten und auch strukturell bereits ziemlich angegriffenen seitlichen Stoßstangenhalter an der Karosserie gerettet habe. Neuer Ersatz ist nicht mehr käuflich (kostete früher mal um 20 Euro pro Stück) und wäre außerdem auch nicht besonders einfach und nicht ohne Schweißarbeit zu tauschen.

Die Stoßstangenhalter waren beidseitig  so verrostet, dass sie die seitliche Fixierung des unteren Kotflügel-Vorderteils und vor allem der Stoßstangenseiten nicht mehr übernehmen konnten. Zum Glück war jedoch noch ausreichend Materialerhalten, damit die Form des Gebildes an sich und die Anordnung der entscheidenden Bohrung zur Kotflügel- und Stoßstangenbefestigung leicht nachzuvollziehen sowie vollständig intaktes Blech zur Befestigung der anzufertigenden „Prothesen“ vorhanden war.

 

Hier die Schritte in Kurzform:

  • Wir demontieren die Lampenmaske, die Stoßstange, beide Innenkotflügel und beide Kotflügel, um guten Zugang zu haben.
  • Die Halter werden auf Verformungen untersucht und gerichtet, danach bestmöglich mechanisch entrostet. Dabei aufpassen, dass man die maroden Reste nicht allzu sehr demoliert.
  • Die Stoßstangenhalter werden mit einem Anstrichaufbau aus Rostumwandler, Grundierung und Decklack angemalt; ich habe Owatrol-Öl und zwei Anstriche Owagrundol gewählt, das passenderweise gleich in silbergrau erhältlich ist (Korrosionsschutzdepot). (Wenn wir einmal dabei sind: Ringsherum finden sich diverse Areale, die sich über eine solche Behandlung ebenfalls freuen!)
  • Da es diverse Falze, Spalten und Ritzen gibt (und wir im weiteren Verlauf noch mehr davon produzieren werden) wird das Ganze nach Durchtrocknung des Lacks dick mit Korrosionsschutzfett (Mike Sanders) eingehüllt: aufschmieren und mit Heißluftpistole verflüssigen, bis es überall hingekommen ist.
  • Zur Anfertigung der Prothesen habe ich bei einem örtlichen Blechverarbeiter zwei einfache U-Winkel aus 1 mm Edelstahlblech biegen lassen; Maße siehe Skizze. Eine Dicke von 0,8 mm reicht sicherlich auch, das lässt sich später etwas einfacher in Form bringen.
  • Die Blechwinkel müssen nun mit direkt am Fahrzeug abgenommenen Maßen entsprechend weiter bearbeitet werden, bis dabei die auf den Fotos zu sehende Gestalt herauskommt. Das Umbiegen der Laschen sehr sorgfältig ausführen, so dass sie am Ende alle in einer Ebene liegen. Hilfreich: ein sogenannter Feilkloben (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Feilkloben). Weitere verwendete Werkzeuge: Winkelschleifer mit 0,8-mm-Trennscheibe, Schraubstock, Holzklötze, Bohrer, Senker, Feile.
  • Das Ganze dauert seine Zeit – Ruhe bewahren und nicht verzweifeln! Ich glaube, dass ich pro Seite mindestens drei Stunden nur am messen, anzeichnen, schneiden, trennen, biegen, bohren und entgraten war. Zwischendurch immer wieder am Fahrzeug anhalten; damit man sich nicht verläuft und am falschen Ende was wegschneidet oder falsch herum biegt!
  • Wenn alles gut passt und unsere Prothese optimal am Fahrzeug im Originalblechteil sitzt, bohren wir der Reihe nach (nacheinander und einzeln!) die Löcher durch und befestigen unser neues Bauteil mit 4 mm dicken Blindnieten.
  • Dabei vor dem Bohren darauf achten, dass das neue Blech immer bestmöglich an seinen vorgesehenen Platz gezogen wird – das habe ich mit einer Schraubzwinge realisiert, die für jede neue Bohrung passend umgesetzt wird. Bohrlöcher vor dem vernieten bzw. die Blindniete selbst ebenfalls mit dem Karosserieschutzfett versehen, damit hier neue Korrosionsansatzpunkte vermieden werden.
  • Wenn alles fertig ist, noch einmal die Heißluftpistole anwerfen und nach Gutdünken zusätzliches Korrosionsschutzfett verteilen und verlaufen/sichindiespaltenziehen lassen.
  • Bei der abschließenden Verschraubung der überlappenden Bleche von Kotflügel und Stoßstange habe ich dünnen Gummi zwischengelegt (aus einer gewebeverstärkten Antirutschmatte geschnitten), so dass die Bleche nicht mehr direkt aufeinander liegen, wobei der Anstrich bzw. die Verzinkung beschädigt und die Korrosion in Gang gesetzt wurde.

Noch ein Hinweis: Das ist keine Arbeit für ein Wochenende, wenn man die wahrscheinlich diversen anderen Handlungsbedarfe, die unter den abgenommenen Karosserieteilen zum Vorschein kommen, nicht ignorieren möchte oder kann. Also besser einige Zeit einplanen (netto ab einer Woche), um das Abnehmen der Front und der Kotflügel nicht so schnell wiederholen zu müssen. Auch die eingangs angesprochenen Waschwasserpumpen prüfen; ich habe gleich beide getauscht, sie kosten zusammen unter EUR 40,-.

Viel Erfolg!

 

 

An dieser Stelle möchte ich mich sehr bei Daniel bedanken, dass er mir seine Fotos und seinen Text für dieses Blog zur Verfügung gestellt hat. So könnt ihr auch von dieser in meinen Augen sehr pfiffigen Idee teilhaben.

 

Bonne Chance!

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Seit dem Jahr 2000 schraube ich regelmäßig an meinen Citroëns.
Im “learning by doing”-Verfahren habe ich mir mittlerweile soviel Wissen angeeignet, dass meine Autos seither keine KFZ-Werkstatt mehr von innen gesehen haben.

Dieses Wissen möchte ich mit euch teilen.

Daher dieses Blog mit meinen Erfahrungen, von einem Hobbyschrauber, für Hobbyschrauber.

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