Als ich Anfang des Jahres die Bremsbeläge und Bremsscheiben erneuert hatte, fiel mir auf, dass die Manschette des Bremskolbens vom rechten Bremssattel eingerissen war.
Lange würde das nicht gut gehen, dachte ich mir zu diesem Zeitpunkt. Dem war dann auch so, der Bremskolben rostete im Laufe der Monate fest und die Beläge lösten sich nicht mehr von der Bremsscheibe. Ein jämmerliches Quietschen entstand bei jedem Bremsmanöver.

Nun hatte ich mir einen rechten Bremssattel bei Citropart bestellt und zeige hier, wie ich diesen getauscht habe.

Hier eine Liste der verwendeten Materialien und Werkzeuge:
– 19er Stecknuss mit Knarre
– 18er Stecknuss —‘‘—
– 8er Stecknuss —‘‘—
14er Maulschlüssel
– 11er —‘‘—

– 8er —‘‘—
– 7er —‘‘—
– großen Schlitzschraubendreher
– Drahtbürste
– Bremsenreiniger
Rostlöser
– Drehmomentschlüssel
Auffanggefäß mit einem durchsichtigen Entlüftungsschlauch

Bevor ich mit der eigentlichen Arbeit begann, sprühte ich ein paar Tage vorher etwas Rostlöserspray auf die zu demontierende Hydraulikverschraubung und aller Entlüfungsschrauben an den anderen Bremssätteln.

Die eigentliche Arbeit:
Ich hob
das Fahrzeug an geeigneten Stellen laut Hersteller gleichmäßig hoch, um das Rad vorn rechts zu demontieren.


Bei Arbeiten am Hydrauliksystem ist immer darauf zu achten, dass es drucklos ist. Ich öffnete die kleine Schraube am Druckregler und wartete auf das Zischen. So war ich mir sicher, dass das komplette Hydrauliksystem drucklos war und zog die Schraube gleich wieder an. Aber Vorsicht! Die Schraube wirklich nur max. 2 Umdrehungen lösen und nur mit 9 Nm anziehen, da sonst Umdichtigkeiten entstehen können.
Danach löste ich die Stecker der Bremsverschleißsensoren und den Feststellbremsseilzug aus der Halterung.
Um den Bremssattel aufklappen und die Bremsbeläge entnehmen zu können, musste der Sicherungssplint und der Verriegelungsstift gezogen werden. Aber Vorsicht! Die Kleinteile sollten nicht verloren gehen.
Nun konnte ich den Bremssattel aufklappen und die Beläge heraus nehmen. Es ist ratsam, bei dieser Arbeit gegeben falls neue Bremsbeläge und die Bremsscheiben zu erneuern, falls sie an ihr Verschleißmaß (Bremsscheiben VA: 20mm; HA: 7mm & Bremsbeläge VA: 3mm ; HA: 2mm) gekommen sind.


Nun konnte der Hydraulikschlauch mittels eines 14er Maulschlüssels herausgedreht werden. Damit er sich nicht so verwinden oder im schlimmsten Fall reißen kann , löste ich ihn auch an der Stelle, wo er mit der Hydraulikleitung im Radkasten verbunden war. Dazu war ein 11er Maulschlüssel und etwas Rostlöser nötig.


Der nächste Schritt war die beiden Bremssattelträgerschrauben zu lösen und nun konnte der Bremssattel zur Seite gelegt werden.
Falls die Bremsscheibe erneuert werden muss, werden diezwei kleinen Senkkopfschrauben der Bremsscheibe gelöst und die neue Scheibe kann montiert werden.
Nun konnte der neue Bremssattel montiert werden. Die beiden Schrauben, die den Bremssattel fest halten, werden mit 105 Nm angezogen. Beim hereinlegen der Bremsbeläge musste ich darauf achten, dass der Nocken der Belagtgäger in die Nut im Kolben einrastet. Bei vollständig zurück gedrehtem Kolben, mithilfe des Spezialwerkzeugs, muss die Kennzeichnung des Kolbens in Richtung der Lagerbüchse auf der Seite der Entlüftungsschraube zeigen.


Der Verriegelungsstift und die Sicherungsklammer konnten wieder montiert werden, ebenso das Feststellbremsseil und die Stecker der Bremsbelagverschleißsensoren.
Nun kommt der kniffelige Teil der Arbeit. Das korrekte Entlüften des Bremssystems.
Um es richtig zu machen, muss, bei Fahrzeugen mit ABS, der Hydraulikblock ebenfalls entlüftet werden.
Das passierte mit folgender Vorgehensweise.

Hydraulikblock entlüften:

Zunächst musste das Rad wieder montiert werden, denn die vorbereitende Maßnahme war, das Fahrzeugniveau auf NIEDRIG → auf HOCH → wieder auf NIEDRIG → und anschließend wieder auf HOCH einzustellen (bei laufendem Motor).
Anschließend musste das Rad vorn links demontiert und die Schmutzabdeckung im Radkasten entfernt werden. Um den Hydraulikblock zu entlüften, musste nun der Motor gestartet werden und die zwei Entlüftungsschrauben mit einem 11er Maulschlüssel zu öffnen (nicht komplett herausdrehen!). Nun wurde die Fußbremse bei laufendem Motor einige Sekunden leicht gedrückt. Man konnte den Druckregler schneller Klacken hören. Das Pedal konnte wieder losgelassen und die beiden Schrauben nun wieder mit 9 Nm angezogen werden

Bremssystem entlüften:

Die Radbremsen werden in einer genau festgelegten Reihenfolge entlüftet.
1. Hinten rechts
2. Hinten links
3. Vorn rechts
4. Vorn links
Wie man erkennt, von der längsten zur kürzesten Leitung des Systems.
Die Entlüftungsschraube und das Auffanggefäß mit dem durchsichtigem Schlauch konnte nun verbunden werden. Der Motor konnte nun gestartet werden. Falls jemand als unterstützende Kraft dabei ist, kann diese nun ganz leicht das Fußbremspedal drücken. Alternativ kann auch ein Bremsenfeststeller genutzt werden.
Nun wurde die Entlüftungsschraube mittels einem 8er oder 7er Maulschlüssel leicht geöffnet und erst wieder geschlossen, als das LHM blasenfrei austrat.

Dieser Vorgang wurde bei jedem Bremssattel in der gegebenen Reihenfolge wiederholt.
Als vorn links entlüftet wurde, konnte danach die Schmutzabdeckung und alle Räder wieder ordnungsgemäß montiert werden.
Das Drehmoment der Radschrauben beträgt 90 Nm.
Nun konnte der XM wieder abgebockt werden und zum Schluss wurde das LHM auf Normalstand aufgefüllt.
Nach einer Bremsprobe war diese Arbeit im Nu erledigt.

Beaucoup de succès !

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Vivien Rose

Seit 2013 bin ich gelernte Kfz-Mechatronikerin und leidenschaftliche Citroënfahrerin. Nach meinem ersten Auto, ein ZX, schlägt mein Herz nun für meinen XM V6.

Da bei dem XM auch immer mal Problemchen auftreten, zeige ich hier, wie ich diese erfolgreich löse.

Mein Projekt, Restauration eines Citroën ZX 2.0 16v, läuft aktuell auf vollen Touren. Schau vorbei und entdecke Neues, denn ein Citroën bewegt.