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Citroen CX 25 GTi Turbo - 001

Der Citroën CX wurde Anno 1974 auf die automobile Klientel losgelassen und hat seither seine Fahrer fasziniert. Trotz des schweren DS-Erbes fand er recht schnell Freunde und findet sie noch, obwohl die Produktion Ende 1990 eingestellt wurde. Eine Theorie, warum dies der Fall ist, wird in diversen Foren als “CX-Virus” diskutiert. Dieser Virus befällt viele Fahrer, egal, ob sie vorher Citroën fuhren oder nicht.
Ich bin einer dieser “Infizierten”. Und dies ist die Geschichte, wie es dazu kam.

Nur, wo fange ich an? Die Infizierung ist schleichend und hat nicht unbedingt sofort etwas mit einem CX zu tun. Man weiß nie wirklich, wann man infiziert wurde. Ich vermute, der Virus mutiert von einem Grundstamm in die Form des CX-Virus. Ich glaube, daß mir dieser Grundstamm durch meinem Großcousin übertragen wurde. Er war Leiter der Peugeot-Niederlassung in Dortmund. Von ihm kaufte ich 1990, im Alter von 19 Jahren, mein erstes Auto: einen Peugeot 205 GL 1,1 mit 49 PS, Baujahr Oktober 1983, also frühe Serie.

Citroen BX Deauville - 001Hier wurden mir wohl die ersten Stämme des frankophilen Virus injiziert. Denn eigentlich wollte ich einen VW Jetta (brrr….), aber mein Großcousin überzeugt mich von den Vorteilen des französischen Autos. Dieses begleitete mich 10 Jahre lang, bis ich mir im Mai 2000 meinen ersten hydropneumatischen Citroën zulegte. So ein “Rauf-runter-Auto” wollte ich schon immer haben. Es war ein BX Deauville, der einsam auf dem Gelände eines Nissan-Händlers stand. Nachdem ich den Zündschlüssel gedreht hatte und der Wagen sich erhob, wurden wohl schlafende, jedoch sehr aggressive Teile des frankophilen Virus aktiviert. Seither bin ich nicht hydropneumatisch gefederten Automobilen gegenüber recht intolerant. Die erste Mutation war beendet. Durch den BX rutschte ich in die entsprechende Szene. Neben den “Ich fahre einen Citroën, weil er billig ist”-Menschen, gibt es noch die, die insbesondere die hydropneumatischen Citroën aus Überzeugung fahren. Viele in der Szene sind Infektoren. Eine Ansteckung ist schon übers Internet möglich. Sogar durch das Lesen dieser Zeilen könnte ein geneigter Leser gefährdet sein. Bei mir mutierte der Virus Anno 2002 in seine endgültige Form, als ich Mitglied einer Schraubergemeinschaft in Mönchengladbach wurde. Natürlich standen da auch CX herum. Ich durfte sogar der Wiederbelebung eines seit mehreren Jahren in der Ecke vergessenen CX Break Diesel Serie 2 beiwohnen. Dadurch war die letzte Stufe der Virus-Mutation vollendet. Ein innerer Zwang befahl mir, einen CX der Serie 1 oder 2 zu erwerben. Mein erster CX war ein 84er 2400 IE Pallas, den ich im Sommer 2002 für 200 EUR in Gummersbach erstand. Ich nannte ihn liebevoll “Mein gelbes Monster”. Einer der Vorbesitzer hatte den Wagen mit Lack aus der Sprühdose ergelben lassen. Dies so schlecht, daß der gelbe Lack abblätterte und darunter ein unversehrtes Blau-Metallic hervorkam. Es war eine Schande. Auch der blaue Innenraum war nicht gerade als gepflegt zu bezeichen. Dafür hatte er nur minimalen Rost an den CX-typischen Stellen. Die Türen waren jedoch durchgerostet. Aber das war mir alles egal. Ich hatte den Zwang, einen CX zu besitzen, vorerst befriedigt – vorerst.

Citroen CX 2500 iE Pallas - 001Leider bin ich mit diesem CX nie auf öffentlichen Straßen gefahren, sondern nur auf dem Gelände der Schraubergemeinschaft. Ende 2003 mußten wir das Gelände aufgeben. Und nach einem kurzen Intermezzo auf einem nicht überdachten Stellplatz in Dortmund verkaufte ich ihn aus Zeitmangel. Eigentlich wollte ich den CX restaurieren. Im Herbst 2004 wurde er an jemanden verkauft, der ihn trotz entstandenen Vandalismusschadens haben wollte. So war ich also wieder ohne CX.

Kurz nach dem Verkauf des “gelben Monsters” begann ich, fast täglich die Online-Autobörsen zu durchforsten. Der innere Zwang war wieder da. Anfang 2005 entdeckte ich bei AutoScout24 einen 84er CX GTi Turbo 1 mit Leder und angeblich funktionierender Klimaanlage.

Die Verhandlungsbasis lag bei 2500 EUR. Definitiv zu viel für mich, dennoch nahm ich Kontakt mit dem Verkäufer auf. Er erzählte, den Wagen aus Marseille auf eigenen Reifen ohne Probleme überführt zu haben. Die Klimaanlage funktioniere, der Wagen sei rostfrei, nur die Ledersitze und der Lack seien beschädigt. Tatsächlich sind die Ledersitze nur an drei Nähten gerissen, was leicht zu beheben ist. Der Lack bedarf einer kompletten Erneuerung. Die Sonne in Marseille brennt ein wenig heftiger als in Deutschland und hat fast den ganzen Klarlack weggebrutzelt. So weit so gut. 2500 EUR waren vielleicht nicht zu viel für diesen Wagen, aber leider für mich Also beließ ich es erstmal bei dem Kontakt per E-Mail. Nach mehreren Wochen ging der Preis für den Turbo auf 1999 EUR runter. Irgendwie wollte den wohl niemand haben. Ich fragte mich, warum. Denn die Beschreibung des Verkäufers klang nicht wirklich abschreckend. Und ein CX 25 GTi Turbo 1 ist auch nicht gerade das, was man an jeder Straßenecke findet. Der Wagen wurde schließlich nur ein Jahr lang gebaut.
Also beschloß ich, mir den Wagen im April doch mal anzusehen. Nur gucken, das ist ja erlaubt. Die knappen 130 km Fahrt trat ich mit meiner Freundin und einem Freund an, der schon mal einen CX besessen hatte. Meine Freundin war wegen des Bauchgefühls dabei, mein Freund wegen der etwas größeren Erfahrung mit einem CX.

Der Wagen entsprach genau dem, was der Verkäufer mir in den Mails beschrieben hatte. Die CX-typischen Stellen waren höchstens von Flugrost befallen und der Motor lief nach der Kaltstartphase runder als erwartet. Die Probefahrt hätte ich lieber nicht machen sollen. Denn der CX-Virus brach nun wieder aus, diesmal stärker als vorher. Am liebsten wäre ich gleich weiter nach Dortmund gefahren. Meine Berater waren ähnlicher Meinung. Nach dem Aussteigen versuchte ich, mein breites Grinsen und mein Herzklopfen vor dem Verkäufer zu verbergen. Sowas ist bei Preisverhandlungen nicht sehr hilfreich. Leider konnte ich mich mit dem Besitzer nicht einigen. Aber das war nur von Vorteil für mich. Irgendwie wollte den CX immer noch niemand haben. Der Preis fiel weiter. Im September 2005 nahm ich erneut Verhandlungen mit dem Verkäufer auf. Per Mail einigten wir uns auf einen fairen Preis. Ich besorgte Kurzzeitkennzeichen und wollte gerade die 130 km zu meinem Turbo antreten, als der Verkäufers anrief: “Ich finde die Schlüssel zu dem Wagen einfach nicht.”

Mon dieu! Soll er mir also doch nicht gehören? Die Enttäuschung war groß, das Wochenende gegessen. Ein paar Tage später kam dann die Erlösung: “Die Schlüssel sind wieder aufgetaucht.” Und das Kurzzeitkennzeichen war sogar noch einen Tag gültig. Also schnell los und den Wagen holen, bevor es jemand anderes tut. Aber das ging ja nicht, da ich an dem Wochenende zuvor mit einem Kaufvertrag per Fax den Deal besiegelt hatte. Das war auch gut so, denn der Verkäufer erzählte mir, daß sich auf einmal mehrere Interessenten gemeldet hätten.

Einige wollten den CX sogar sofort abholen. Zu erklären ist dies wohl damit, daß ich den Wagen und meine Interesse daran vorher in einem bekannten Forum gepostet hatte. Nur, warum jetzt das Interesse der anderen? Wurde die Anzeige bei AutoScout24 übersehen, oder wurde der CX plötzlich dadurch interessant, daß sich jemand dafür interessierte?

Egal, der Wagen gehörte jetztt mir! Die Überführungsfahrt nach Dortmund verlief problemlos – bis ich ankam. Dann bemerkte ich, daß sich eine riesige LHM-Pfütze unter dem Fahrzeug bildete. Ein Blick unter das Auto zeigte, daß sich die grüne Hydraulikflüssigkeit während der Fahrt über den ganzen Unterboden und fahrerseitigen Kotflügel verteilt hatte. Woher kam es? Ein Symptom bei der Infizierung mit dem CX-Virus ist, daß man in solchen Situationen immer nervöser wird. Weniger, weil man Angst hat, sein Geld in den Sand gesetzt zu haben, sondern vielmehr, weil man denkt: “Was hat mein Schatz?!” (Bitte Gollum-like betonen.). Auf den ersten Blick stellte sich heraus, daß es aus der Diravi tropfte – oje! Der zweite Blick enthüllte allerdings, daß nur ein Schlauch des Oktopus unter dem Reserverad gerissen war. Das war schnell mit einem Stück vom Entlüftungschlauch des LHM-Behälters und zwei Schlauchschellen repariert. Puhh- das war erstmal überstanden: Der Wagen war in Dortmund! Nun konnte ich mich daran machen, ihn für die Vollabnahme beim TÜV herzurichten. Ich benötigte zwei neue Axialgelenke und zwei neue 210er TRX-Reifen, denn der Turbo hatte vorn 190er und hinten 210er montiert. Darauf hatte ich wirklich nicht geachtet. Aber egal, bei eBay fand ich zwei gute für wirklich kleines Geld.

Die Vollabnahme war kein Problem, nur bei der AU machte der Prüfer einen Fehler: er stellte das Programm für Katalysatoren ein und ließ den Turbo damit testen. Bis zur Regelgasprüfung (so nannte er das) lagen alle Werte im grünen Bereich. Erst da fiel ihm auf, daß die Lambdasonde nicht funktionierte. Wie auch, hat ja keine! Beide waren wir erstaunt, was für gute Werte dieser alte Motor doch liefert. Übrigens kamen nach der TÜV-Abnahme die gelben Scheinwerfer wieder rein. Mit der Polizei hatte ich damit noch keine Probleme.

Beim Anschrauben der deutschen Nummern- Schilder platzte ich fast vor Stolz. Das Grinsen war kaum aus meinem Gesicht zu bekommen, als ich die erste Ausfahrt mit meinen beiden Schätzchen, meiner Freundin und dem CX, machte. JA! Der CX-Virus und ich waren besänftigt. Von Mai bis Oktober frönen wir nun dem Laster des CX-Schwebens. Der Vorbesitzer meines CX war wohl auch cxoman. Zumindest scheint ihm der Wagen etwas bedeutet zu haben. Nicht nur der recht gute Erhaltungszustand, auch kleine Details, wie der “CX-Club France”-Aufkleber und das in jede Scheibe eingravierte (nicht geätzte) Kennzeichen, deuten darauf hin. Es ist nicht nur der Virus, der dem CX-Fahrer die doppeltgewinkelte Brille aufsetzt. Es ist einfach die Philosophie des Fahrzeuges, die konsequente Weiterentwicklung und Modernisierung des DS-Konzeptes. Die Federung, das vom Windkanal geformte Design, die funktionale Bedienbarkeit des Cockpits. Der Ausspruch “Form follows function” des amerikanischen Architekten Louis Sullivan trifft für den CX in jedem Detail zu. Deshalb ist er technisch etwas komplizierter als seine Zeitgenossen von VW oder MB. Dafür verwöhnt er mit sehr angenehmen Fahrverhalten, einem Raumgefühl vorn, das man bei modernen Fahrzeugen vergeblich sucht (im CX Prestige sitzt man hinten auch heute noch großzügiger, als in manch´ aktueller Oberklasse-Limousine) und einer Silhouette, die aus dem modernen

Einheitsbrei der automobilen Baukunst hervorsticht. Das Interieur ist schlicht, aber funktionell, bei den Serie-1-Modellen gefälliger als bei denen der Serie 2. Mit dem Turbo-Benzinmotor schwimmt man problemlos im Strom der über 200 km/h fahrenden Autos mit, oder führt in sogar an. 1984 war der CX 25 GTi Turbo mit einer Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h die schnellste Serien-Limousine der Welt! Neben diesen Vorteilen hat der CX auch seine Unzulänglichkeiten, über die der Besitzer eines CX jedoch großzügig hinwegsieht. Die Verarbeitung genügt dem Anspruch einer Oberklasse-Limousine, den der CX zu seiner Zeit hatte, nicht. Neben den unglaublichen Spaltmaßen und den sichtbaren Schrauben im Armaturenbrett der ersten Serie ist es der hängende Dachhimmel oder auch die völlig undurchdachte Lösung, den Strom für die Außenbeleuchtung einfach durch die Schalter, anstatt durch Relais zu führen. Wäre ich Mitte der 80er Jahre in die Verlegenheit gekommen, mir einen Oberklasse-Wagen zuzulegen, hätte meine Wahl schwerlich den CX getroffen. Es sei denn, ich wäre auch zu dieser Zeit schon infiziert gewesen.

Citroen CX 25 GTi Turbo und BX GTi - 001Der CX war, ist und bleibt etwas Besonderes. Er ist nicht für den Normalfahrer gedacht, der etwas zum Repräsentieren braucht, sondern für den frankophilen, gemütlich dahingleitenden Fahrer, der auch nach mehreren hundert Kilometern entspannt aussteigen möchte und keine Scheu hat, sich auch selbst mal die Finger schmutzig zu machen. Das gehört zum CX-Fahren dazu. Übrigens scheinen sich die Symptome des Virus nicht nur auf die Anschaffung eines CX zu beschränken. Der CX gesellte sich zu einem schon seit Januar 2005 in meinem Besitz befindlichen BX GTi. Bis auf den Bordcomputer hat der BX Vollausstattung: Leder, Klima, Automatik, etc. Frei nach der CX-Turbo-Werbung aus den 80ern: “Mes GTi – ils sont démon!”.

In diesem Sinne, frohes Schweben!

-Michael Werth-

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Seit dem Jahr 2000 schraube ich regelmäßig an meinen Citroëns.
Im “learning by doing”-Verfahren habe ich mir mittlerweile soviel Wissen angeeignet, dass meine Autos seither keine KFZ-Werkstatt mehr von innen gesehen haben.

Dieses Wissen möchte ich mit euch teilen.

Daher dieses Blog mit meinen Erfahrungen, von einem Hobbyschrauber, für Hobbyschrauber.