Autor: Sigi
Federbeinüberholung für Citroen BX, Sigi Heider siegfried.heider(at)physik.uni-regensburg.de , 23.05.2003
Nachdem eines meiner Federbeine leck geworden ist, hab ich mal ein wenig recherchiert.
Ein neues Federbein kostet z.Zt ca 230,-Euro. Da die BXe inzwischen in die Jahre gekommen sind, ist es fraglich, ob für neue Federbeine noch soviel Geld ausgegeben werdcen sollte. Also machte ich mir Gedanken, wie man dem alten Federbein auf die Sprünge helfen kann.
Erst mal zum Zustand des defekten Federbeines, der wohl auch für andere typisch ist:
Die obere Lagerbuchse ist ausgeschlagen und hat gut 5/10 Spiel. Mann sieht an metallisch glänzenden Stellen im Trockengleitlager, dass die Teflonschicht ab ist.
Die Kolbenstange sieht an der eigentlichen Lauffläche recht gut aus, aber im unteren Viertel, über das die Dichtungen laufen, wenn der Wagen sich setzt, ist sie total verrostet. Der Grund dafür dürfte sein, dass entweder über das Belüftungssystem des Federbeines, oder über abgerissene Leckölleitungen Wasser bzw Luftfeuchtigkeit eindringt.
Die Dichtungen der Kolbenstange, speziell der Teflonring sind aufgerieben.
Benötigt werden also für die herkömmliche Reparatur:
oberes Gleitlager (95 598 748) ca 45,-Euro
Kolbendichtungen (95 597 221) ca 5,-Euro
Kolbenstange (95 607 545) ca 35,-Euro
entspricht ca. 95.-Euro pro Federbein
Den Reparatursatz mit der Nummer 950 650 941 kann man sich sparen, denn er beinhaltet nur die Gummianschlagelemente und diverse Kunststoffscheiben, die eh nicht kaputtgehen.
zu den Teilen ist noch was zu sagen:
Bei den Kolbendichtungen wird inzwischen der Filzring nicht mehr mitgeliefert, also beim Demontieren die Filzringe nicht kaputt machen. Die Kolbenstangen zeigen inzwischen wohl generell schon bei der Lieferung Rostansatz. Lässt sich aber polieren. Ich hab ein paar Prozente rausgehandelt.
Das obere Gleitlager (95 598 748) verdient allerdings schon alleine wegen des Preises eine nähere Betrachtung. Das Lager ist ein kompletter Lagerbock, in dem das eigentliche Gleitlager in einem Gummiblock (elastisch) positioniert ist. Das Gleitlager selbst ist ein sogenanntes gerolltes Trockengleitlager. Man muss es sich als einen zu einer Hülse aufgerollten Streifen Lagermetall vorstellen. Es ist Teflonbeschichtet. Sowohl Gleitlager, als auch Wellendichtring können demontiert werden. Nur leider hilft das erst mal nicht viel, denn die Teile sind keine Normteile und können deshalb nicht so ohne weiteres durch Teile aus dem Handel ersetzt werden. Sowas ist ärgerlich, denn Citroen versucht damit die Kunden zum Kauf des Lagerbockes zu zwingen. Das dürfte wohl auch den hohen Preis für den eigentlich simplen Lagerbock erklären.
Hier tritt nun der ambitionierte Schrauber auf den Plan, der im Besitz einer Drehmaschine ist. Im Lagerbock ist genug Fleisch, um ihn für die etwas grösseren Normteile passend zu machen.Die Masse der Originalteile sind 32x35x15 für das Trockengleitlager und 32x46x7 AS für den Dichtring.
Die Normteile sind jeweils 1mm im Aussendurchmesser grösser (das Gleitlager muss zudem noch gekürzt werden) und problemlos im Fachhandel erhältlich.
Dichtring 32x47x7 AS (32x47x8 AS kann auch eingepasst werden) 3,-Euro bei http://www.kugellager-altmann.de
Lager PG 323620 F von Glyco (http://www.glyco.de/de/lieferprogramm/g ... /index.htm ) 2,75Euro bei http://www.kugellager-altmann.de
Also ab mit dem Lagerbock auf die Drehmaschine. Das Trockengleitlager braucht eine H7 Passung. Das entspricht bei 36mm einem Mass zwischen 36,000mm und 36,025mm. Die Passung für den Dichtring ist unproblematisch.
Beim Bearbeiten unbedingt auf einen superscharfen Stahl achten und bei hoher Drehzahl gut schmieren. Nur hauchdünne Späne abnehmen, da der Lagersitz ja in Gummi gelagert ist und auszuweichen versucht. Drückt man einmal mit einem zu stumpfen Stahl zu stark an, reisst man sofort eine ordentliche Riefe, sobald der Stahl zubeisst.
Nach dem Aufdrehen kann das Lager (aussen einfetten, damits schön rutscht) eingepresst und kürzer gedreht werden. Zum Einpressen des Lagers sollte ein passender Einpressdorn benutzt werden. Nun den Wellendichtring eindrücken (Filzringe nicht vergessen) und der Lagerbock ist für den Preis von ca 6,-Euro wie neu.
Auch wenn die Lagerung ein sogenanntes Trockengleitlager ist und grundsätzlich schon trocken laufen kann, sollte man die Filzringe gut mit Silikonfett tränken und eine Dauerfettfüllung einfüllen, da bei einem funktionierenden Federbein in den Lagerbock kein LHM gelangt. Evtl. kann man sich auch Gedanken machen, an den Lagerbock einen (sehr kleinen) Schmiernippel anzubringen, um nachschmieren zu können. Die Bohrung könnte in der Nut für den unteren Filzring angebracht werden. Es gibt zwar Lagerhersteller, die bei PTFE (Teflon) beschichteten Lagern angeben, dass eine Schmierung nicht erforderlich und nicht erwünscht ist, aber welchen Sinn machen dann die Filzringe im Lagerbock?
Meine Empfehlung ist also:
Die Federbeine möglichst frühzeitig überholen, damit man sich den Ersatz der Kolbenstange sparen kann. Dann kostet der Spass pro Seite ca 11,-Euro und die Citrone schwebt wieder.
So, dann wüsch ich mal noch viel Spass beim Schrauben
Gruss Sigi
PS: läuft bei mir nun seit gut 35000 km





